einen guten Monat nach dem bundesweiten „Wiedereinstieg in das vereinsbasierte Sporttreiben im Freiluftbereich“ auf Basis der zehn DOSB-Leitplanken und den sportartspezifischen Übergangs-Regeln der Spitzenverbände sowie der Übergabe der Verantwortung vom Bund auf die Länder in Bezug auf die Kontakteinschränkungen hat sich auch im Sport ein „bunter Flickenteppich“ gebildet. Aus Sicht des DOSB hat diese Vielfalt bei den länderspezifischen Verordnungen sowohl positive als auch negative Folgen für SPORTDEUTSCHLAND. In den nächsten Wochen und Monaten ist es unser Ziel, die Positiveffekte zu stärken und die negativen Auswirkungen sukzessive zurückzudrängen.
 
Grundsätzlich positiv bewerten wir die Tatsache, dass der Wiedereinstieg in den Vereinssport und die erfolgten Öffnungen sowie die konkrete Anwendung vor Ort in den rund 90.000 Sportvereinen in Deutschland keinen signifikanten Anstieg der Neuinfektionen mit COVID-19 ausgelöst haben. Dafür gebührt der gesamten Sportfamilie, den Sportler*innen, Trainer*innen und den vielen ehrenamtlichen sowie hauptamtlichen Funktionsträger*innen ein großes Kompliment. Diesen solidarischen Beitrag des Sports hat Bundesinnenminister Horst Seehofer bei unserem letzten Spitzengespräch am 27. Mai 2020 explizit gelobt und mit viel Empathie zum Ausdruck gebracht.
 
Empfehlung der Corona-Warn-App
Im Sinne dieser Solidarität empfehlen wir seitens des DOSB auch die Nutzung der am 16. Juni 2020 vorgestellten, offiziellen Warn-App der Bundesregierung. Die Möglichkeiten, anonym, schnell und effizient mögliche Ansteckungswege zu unterbrechen, ist gleichzeitig auch eine Chance, die Teilhabe am sozialen Leben zu erleichtern. Mit einer breiten Teilnahme von SPORTDEUTSCHLAND können wir ein weiteres Zeichen setzen, dass der organisierte Sport gesellschaftliche Verantwortung ernst nimmt. Zugleich wird uns das im besten Falle gegebenenfalls eine schnellere Rückkehr in den Alltag, auch im Sport, ermöglichen.
 
Verordnungen der Bundesländer
Positiv bewerten wir auch die dynamischen Veränderungen bei den Verordnungen der Bundesländer, die derzeit die Beschränkungen beim Zugang zum Sport zunehmend abbauen. Wir versuchen hier, immer auf dem Laufenden zu bleiben und aktualisieren regelmäßig die Verordnungen (Überblick über die Regeln zum Wiedereinstieg in den Sport und Einzelauflagen für den Sport). Im Zuge dieser dynamischen Entwicklung überprüfen und aktualisieren wir zudem die DOSB-Leitplanken. Ziel dieser „lernenden“ Leitplanken war und bleibt es, Sport unter Berücksichtigung der Entwicklung der Pandemie verantwortungsvoll zu ermöglichen.
 
Einheitliche Regelungen für den Wettkampfbetrieb angestrebt
Große Herausforderungen bereitet der besagte länderspezifische „Flickenteppich“. Neben der relativ hohen Verunsicherung an der Basis sind damit vor allem Probleme im Wettkampfbetrieb verbunden. Dies gilt insbesondere, wenn die Wettkämpfe in höheren Ligen und über Landesgrenzen hinaus organisiert sind. Daher hat der DOSB eine Initiative in Richtung der Bundesländer gestartet, um hier perspektivisch eine bundesweit einheitliche Regelung zu erreichen. Die Sportreferentenkonferenz der Länder hat hierzu am 17. Juni 2020 die Einrichtung einer Ad-hoc-AG beschlossen, die zeitnah einen Beschluss der Sportministerkonferenz vorbereiten soll. Ein zentraler Aspekt, der hier unserer Meinung nach einfließen sollte, ist auch die verantwortungsvolle Wiederzulassung von Zuschauern.
 
Verbot von Großveranstaltungen
In den letzten Tagen sind erneut wegweisende Entscheidungen in der Politik getroffen worden, um die Pandemie weiterhin beherrschen zu können und die ökonomischen Folgen der Kontakteinschränkungen abzumildern. So haben die Bundeskanzlerin und die Regierungschef*innen der Bundesländer am 17. Juni 2020 neben der grundsätzlichen Verlängerung von Abstandsgeboten und anderen Maßnahmen das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober 2020 verlängert, wenn keine Nachverfolgung der Kontakte und kein Hygienekonzept vorliegen.
 
Dies hat insbesondere auch Folgen für Sportveranstaltungen. Allerdings sehen wir in der Regelung durchaus auch Möglichkeiten, mit guten sportartspezifischen Konzepten und einer lückenlosen Dokumentation über anwesende Personen auch Ausnahmen vom Verbot erreichen zu können. Gegebenenfalls kann auch die Nutzung der Warn-App ein Türöffner für Veranstaltungen mit Zuschauer*innen sein. Diese Fragen gilt es, in den nächsten Wochen und Monaten zu klären. In diesem Kontext haben wir eine Arbeitsgruppe mit einigen Spitzenverbänden eingerichtet, die innerhalb der nächsten zwölf Monate nationale und internationale Großveranstaltungen planen. Hier werden wir aktiv Wissen und Erfahrungen bündeln, um gemeinsam Lösungen für den gesamten Sport zu entwickeln.
 
Kritik an Formulierung der Überbrückungshilfe
Zum aktuellen Zeitpunkt eher unzureichend ist die Berücksichtigung des Sports in dem von der Bundesregierung beschlossenen Programm „Überbrückungshilfe für kleine und mittlere Unternehmen“. Trotz zahlreicher Mahnungen aus dem Sport und auch aus dem Bundesinnenministerium hat das federführende Bundeswirtschaftsministerium an der Formulierung „Profisportvereine der unteren Ligen“ festgehalten. Zudem ist auch bei den Antragsvoraussetzungen, im Gegensatz zum Beschluss des Koalitionsausschusses, keine Rücksicht auf die Themen des Sports sowie die sportspezifischen Bedingungen der in den Bundesligen agierenden Vereine genommen worden.
 
Sowohl zu dieser Thematik als auch zu den anderen Punkten werden wir weiterhin die Stimme des Sports erheben. Insbesondere aufgrund der aktuell noch nicht bestehenden Perspektive für einen vollumfänglichen Sportbetrieb und hinsichtlich der mittel- und langfristigen Schäden für SPORTDEUTSCHLAND, auch auf Bundesebene, streben wir weiterhin einen spezifischen Nothilfe-Fonds für den Sport an. In den Bundesländern (Förderübersicht) stehen erfreulicherweise zahlreiche Programme zur Verfügung.
 
 
Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund

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